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«Auf jeden Fall sektenartig»

2011-02-12 Source: Auteur:Kai Biermann

Kein Kult ist in den vergangenen Jahren so schnell gewachsen wie Falun Gong. Experten halten sie zumindest für «sektenartig», und nicht unbedingt für harmlos.

Von Kai Biermann

Falun Gong ist keine Sekte. So scheint es. Es gibt keinen Mitgliedszwang, zu den Treffen kann jeder kommen und gehen, und Geld muss auch niemand bezahlen.

«Li Hongzhi bietet das Weltbild. Alles was der Mann sagt, hält er für unumstößlich richtig», sagt Ingo Heinemann. Er ist Sektenexperte und leitet die AGPF, die Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V. in Bonn, eine Beratungsstelle.

Sektentypisch

Nur Li Hongzhi dürfe entscheiden, wie der Glauben verbreitet wird, er verlange unbedingten Gehorsam, sagt Heinemann. Es gebe genaue Regeln darüber, wie die Worte des «Meisters» weitergegeben werden dürfen. Jede Interpretation sei verboten. «Das ist sektentypisch», sagt Heinemann.

Außerdem werde «durch die praktische Anwendung dieses Weltbildes ein erheblicher moralischer Druck ausgeübt». Jeder, der nicht den rechten Glauben habe, sei ein schlechter Mensch und nur wer die Regeln befolge, könne gut werden. «Die Erzeugung von Schuldgefühlen ist ein Mittel, das Sekten gerne anwenden», sagt Heinemann.

«Im Kurs unterliegt alles meiner Verantwortung. Wie es sich entwickeln wird, hängt künftig von Euch selbst ab», schreibt Li Hongzhi in seinem Buch «Falun Gong - Der Weg zur Vollendung».

Wer nicht erleuchtet wird ist somit selbst schuld, er hat sich nicht genug bemüht. Das führt zu Selbstzweifeln, nie aber zu Zweifeln an der Lehre.

Weißes Blatt

Nennenswerten Einfluss habe die Gruppe in Deutschland aber noch nicht, so Ulrich Dehn von der Berliner Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Doch sei Falun Gong für ihn noch «ein weißes Blatt». Seit ungefähr 1995 sei die Gruppe in Deutschland aktiv, doch wie viele Mitglieder sie habe, wisse niemand. «Es können 500 oder auch 3000 sein.»

Personenkult

«Die Bewegung ist keinesfalls harmlos. Die Gruppe ist absolut zentriert auf den Meister, er ist ein Guru», sagt Pfarrer Martin Scheidegger, Sektenberater in der Schweiz. Dort gibt es die Gruppe seit 1997. Wenn Scheidegger Falun Gong auch nicht für eine Sekte hält, aber «sie haben auf jeden Fall sektenartige Züge», sagt Scheidegger.

Die Akzeptanz von Li Hongzhi als Führer /– Mitglieder sprechen nur von ihrem «Meister» /–, führe zu einer Einengung des Weltbildes. «Die eigenen Vorstellungen werden nicht mehr hinterfragt», sagt Scheidegger.

«Falun Gong - Der Weg zur Vollendung»: «Die Schüler werden das Fa (das Gebot) keinesfalls in Form von öffentlichen Vorträgen verbreiten, wie ich es tue. Kein anderer Mensch ist in der Lage, das Fa zu erklären», schreibt Li.

Das Verstehen der Lehre bleibt also allein dem Meister vorbehalten.

Problematische Züge

Lutz Lehmhöfer, Sektenbeauftragter der katholischen Kirche für das Bistum Limburg, ist vorsichtiger: «Ich würde den Begriff Sekte nicht verwenden.» Für Lehmhöfer fehlen dazu einige Kriterien. «Es gibt keine aggressive Werbung, keine scharfe Abgrenzung zwischen drinnen und draußen und auch keine Mitgliedslisten», sagt er. «Eine Weltanschauungsgruppe, ja, das sind sie. Problematische Züge haben sie auch, aber eine Sekte sind sie nicht.»

Falun Gong selbst nutzt Aussagen von Lehmhöfer, die er im Jahr 2000 in einem Interview mit dem SWR machte, als Beweis dafür, dass die Gruppe keine Sekte ist.

Überempfindlich

Natürlich gebe es «illusionäre Erwartungen», was den Übungen an positiven Wirkungen zugetraut werde und die Lehre werde von den Mitgliedern auch nicht kritisch diskutiert, sagt Lehmhöfer. Doch das sei normal bei «weltanschaulichen Gruppen im Frühstadium». Vor allem, solange der Meister noch lebe.

Allerdings reagierten Falun Gong-Mitglieder überempfindlich auf den Begriff Sekte: «Sie werden zunehmend dünnhäutig, wenn der Begriff verwendet wird», sagt Lehmhöfer.

 

 

http://www.netzeitung.de/1/137001.html


(Netzeitung.de, 30.03.2001)

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